Nach „hintenrum“ geäußerter Kritik: Personelle Umbrüche und Diskussionen bei der Feuerwehr Leoprechting
Von Helga Wiedenbein
Hutthurm. Die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Leoprechting stand ganz im Zeichen hoher Einsatzbereitschaft, zahlreicher gemeinschaftlicher Aktivitäten, aber auch von personellen Umbrüchen und kritischen Diskussionen innerhalb der eigenen Reihen. Im Gasthaus Fuchs fanden sich Mitglieder, Ehrengäste, Vertreter der Gemeinde und der Kreisfeuerwehrführung ein.
- Vorstand Roland Allmannsberger berichtete über einen Überblick über den Mitgliederstand: 187 Mitglieder, davon 42 Aktive, 5 Jugendliche, 21 Ehrenmitglieder, 51 Fördernde, 67 Passive und das Herzstück mit Fahnenmutter Annemarie Moser. 2025 nahm die Feuerwehr an zahlreichen Veranstaltungen befreundeter Wehren teil, darunter Jubiläen, das 500-Jahre-Marktrecht-Fest der Gemeinde Hutthurm oder die 75-Jahr-Feier in Staatsgut Kringell. Eigenveranstaltungen wie das Waldfest und die musikalischen Feierabende trugen zur Aufbesserung der Vereinskasse bei.
- Kommandant Andreas Moser berichtete von einem fordernden Jahr: Bei den 12 bis 36 Einsätzen mit 547 Einsatzstunden. Zahlreiche Verkehrsunfälle, darunter auch sehr schwere, technische Hilfeleistungen und Brände verlangten nicht nur fachliches Können, sondern auch mentale Stärke. 2. Kommandant Johannes Moser berichtete von 25 Übungsdiensten, davon 23 Praxiseinheiten mit insgesamt 684 Stunden und hoher Beteiligung. Die Ausbildung neuer Truppführer, die Teilnahme an speziellen Lehrgängen wie Absturzsicherung, Motorsägenkurse oder Vegetationsbrandbekämpfung demonstrieren das Engagement der Mannschaft. Atemschutzwart Alexander Lorenz hob die stabile Stärke der Atemschutzgruppe (13 Mitglieder) hervor. Neben zwei Einsätzen wurden alle Belastungsübungen absolviert und Gemeinschaftsübungen abgehalten.
Jugendleiter Tobias Nigl lobte die engagierte Jugendfeuerwehr, die mit 32 Terminen und 512,45 geleisteten Stunden viele Leistungsabzeichen und Wissenstests erfolgreich absolvierte.
Schatzmeister Albert Grünberger, seit 47 Jahren im Amt, berichtete von einem soliden Kassenstand. Neben der Haussammlung und den Einnahmen aus Veranstaltungen trugen die Verleih des WC-Wagens und Spenden zum positiven Ergebnis bei – ein Großteil wurde in neue Ausrüstung investiert. Die Kassenprüfung durch Andreas Schmöller und Norbert Wieninger bestätigte eine einwandfreie Buchführung.
Der wichtigste Einschnitt der Versammlung betraf die personelle Neuausrichtung von Vorstandschaft und Kommandanten. Sowohl Roland Allmannsberger – nach zwölf Jahren Vorstand – als auch die beiden Kommandanten Andreas und Johannes Moser sowie weitere Vorstandsmitglieder verabschiedeten sich aus ihren Ämtern. Die Hintergründe waren Spannungen und Kritik innerhalb der Feuerwehr, die nicht offen, sondern „hintenrum“ kommuniziert wurden, was Unverständnis hervorrief. Die beiden stellten klar, dass für sie unter diesen Bedingungen keine Wiederwahl in Frage komme. Ehrenkommandant Herbert Grünberger, dem diese Kritikpunkte übermittelt wurden, erläuterte seine Sicht, betonte die Pflicht zur kritischen Reflexion, kritisierte jedoch Missstände in der aktiven Ausbildung und Nachwuchsgewinnung. Auf Aufforderung seines 1. Kommandanten Andreas Moser offen über Probleme zu sprechen, wollten sich die betreffenden Personen nicht outen. Diese ernüchternde Erkenntnis sei ein spürbares Misstrauen – das Ausscheiden der beiden Kommandanten wurde allgemein als historischer Verlust betrachtet.
Im Anschluss wählte die Versammlung die neuen Vorstandsmitglieder und Kommandanten. Bürgermeister Max Rosenberger übernahm den Vorsitz. Sandro Wieder wurde zum neuen 1. Kommandanten und Manuel Weber zum 2. Kommandanten gewählt. Beide versprachen, die Feuerwehr in eine stabile Zukunft zu führen. Das Engagement, die Kameradschaft und die Nachwuchsgewinnung stehen dabei im Mittelpunkt. Für Sandro Wieder gehe mit dem Kommandantenamt ein langgehegter Traum in Erfüllung, er sehe sich in der familiären Tradition seines Großvaters.
Bürgermeister Max Rosenberger zeigte sich überrascht über den emotionalen Verlauf der Versammlung, dankte der alten Führung und rief zur Zusammenarbeit und Vertrauen mit den neuen Verantwortlichen auf. Kreisbrandinspektor Christian Schneider erinnerte daran, dass auch in einer Feuerwehrfamilie Konflikte entstehen können, die nur durch offene Gespräche und gegenseitigen Respekt gelöst werden können.
Ehrungen
Jugendfeuerwehrmann des Jahres: Nico Grünberger
Feuerwehrmann des Jahres: Sandro Wieder
10 Jahre: Thomas Meier, Christian Moritz, Jo Jahre Jürgen Fuchs
40 Jahre: Ludwig Ellinger, Georg Wolf
50 Jahre: Karl Berger
60 Jahre: Hans Lippl
Beförderungen:
Oberfeuerwehrmann: Korbinian Reichel
Hauptfeuerwehrmann: Matthias Edlftner
Löschmeister: Franz Hartinger
Brandmeister: Albert Grünberger, Erwin Kurz
Neuwahlen
- Kommandant: Sandro Wieder (25 Ja, 5 ungültig bzw. Enthaltungen)
- Kommandant: Manuel Weber (28 Ja, 3 ungültig bzw. Enthaltungen)
- Vorstand: Christoph Schätz (einstimmig)
- Vorstand: Herbert Grünberger (2 Nein, 11 Enthaltungen)
Kassier: Celina Grünberger (einstimmig)
Schriftführer: Manuel Weber (eine Gegenstimme)
Kassenprüfer: Albert Grünberger, Norbert Wieninger
Beisitzer: Andreas Schmöller, Alexander Lorenz
Vom Kommandanten bestimmt wurden als Atemschutzwart Matthias Edlftner sowie 1. und 2. Jugendwart Tobias Nigl und Simon Obermüller.
Quelle: Helga Wiedenbein (PNP vom 11.02.2026)
https://www.pnp.de/lokales/landkreis-passau/vorstand-und-kommandanten-nehmen-ihren-hut-20505859







